Bewusstsein

SCHÖNHEIT RETTET DIE WELT

…NICHT

Warum sollte sie auch?

Aber warum spielt Schönheit dann so eine wichtige Rolle in unserem Leben?

Ich würde sogar die Behauptung aufstellen, dass die meisten Frauen heutzutage lieber „schön“ sein wollen, als beispielsweise „klug“, „humorvoll“ oder „talentiert“. Am liebsten hätte Frau natürlich gerne alle diese positiven Eigenschaften, jedoch steht „Schön sein“ am weitesten oben auf der Liste.

Dafür spricht auch folgende Google Suche:

  • „Wie werde ich schöner“ – wird rund 13.100.000 gegoogelt.
  • „Wie werde ich  intelligenter“ – ergibt rund 5.090.000 Treffer.

Diese Tatsache lasse ich einmal unkommentiert so stehen…

Dies war aber tatsächlich nicht immer der Fall. „Schönheit“ wie sie heute in unseren Köpfen fest verankert ist, etablierte sich erst gegen Ende der 1930er Jahre. Im Wandel unserer Zeit gab es zwar schon immer Schönheitsideale, nur waren diese nicht an die breite Masse vermittelbar. Dazu kam, dass die Frau von Früher meist andere Sorgen hatte, als sich um ihre äußerliche Erscheinung zu kümmern.

Dank der zunehmenden Modernisierung wurde Schönheit aber immer mehr zum Thema.

Aber was ist für uns Schönheit? Und ich will jetzt zur Abwechslung nicht Wikipedia nach der  Definition von „Schönheit“ befragen. Ich möchte zunächst einmal selbst analysieren, was Schönheit sein könnte.

Schönheit ist immer eine Nasenlänge voraus.

Ist euch schon mal aufgefallen, das als „schön“ immer genau das bezeichnet wird, was die Mehrheit in diesem Moment nicht hat.
Diese Tatsache kennt man noch aus früheren Zeiten. Zum Beispiel galt es immer dann als schön, eine füllige Figur zu haben, wenn die meisten Menschen nicht genug zu essen hatten.
Und umgekehrt gilt dies für die heutige Gesellschaft. Die westliche Dame hungert sich ab, obwohl Nahrung all must zur Verfügung steht.

Das ist schon irgendwie krank, findet ihr nicht?

Noch ein gutes Beispiel ist die Mode. Sobald sich der aktuelle Modetrend in die Köpfe der Menschen gefressen hat, ändert er sich wieder.
Das Gehalt einer Durchschnittsverdienerin würde nicht im Ansatz ausreichen, um jeden Trend mit zu machen. Selbst wenn man bei schwedischen Möbelhäusern einkauft 😉 Aber so ist das in der Mode, es ist nur so lange „schön“ und „modern“, bis es bei der Masse angekommen ist.

So ist es auch mit der körperlichen Schönheit. Das aktuelle Schönheitsideal gilt nur solange, bis die Mehrzahl der Frauen es erreicht hat. Danach wird die Definition von weiblicher Schönheit wieder neu erfunden. Mal heißt Schönheit kurvig sein, mal soll Frau die Figur einer 12 Jährigen haben (ich sage nur Size Zero). Mal sind große Augen und ein kleiner Mund angesagt (Manga Style), dann sind es wieder übermäßig aufgeblasene Lippen a lá Kylie Jenner.

Durch die starke mediale Verbreitung dieser ständigen „Schönheitsideale“ weiß Frau oftmals selbst nicht mehr, welchem sinnlosen Schönheitstrend sie denn nun nacheifern soll.

Schönheit ist Durchschnitt.

Die mit Abstand meistgehörte Antwort auf die  Frage was Schönheit sei, ist: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“

Aber ist das wirklich so? Ist für alle Menschen die Definition von „Schönheit“ unterschiedlich?

Nicht ganz, würde ich mal behaupten. Es ist wahr, das die Geschmäcker, vor allem in Bezug auf den weiblichen Körper, unterschiedlich sind. Was hoch anzurechnen ist, trotz Magerwahn, Fitnesshype und Co. Wir finden noch immer unterschiedliche weibliche Körperformen attraktiv. Wobei die kurvige Frau noch immer am höchsten im Kurs liegt (vor allem aus der Sicht des Mannes). Die Sanduhren Figur wird noch immer am meisten mit Weiblichkeit und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Obwohl dies aus biologischer Sicht kompletter Bullshit ist.

Beim weiblichen Gesicht sind wir uns jedoch ziemlich einig, was schön ist und was nicht. Als Schön wird empfunden, was nicht Überdurchschnittlich ist. Sprich wir stehen insgeheim auf Durchschnittlichkeit.

Paradoxer Weise behaupten wir meist das Gegenteil, wenn man uns darauf anspricht.
„Einzigartig möchte ich sein. Individualität ist mir wichtig“ hört man im Zusammenhang mit Schönheit sehr oft.

Jedoch zeigt unser Verhalten gegenüber unserer Selbstdarstellung oftmals das Gegenteil.
Denn wirft man beispielsweise einen Blick auf Instagram, wird schnell klar welcher Typ Frau momentan als „schön“ gilt.

Habt ihr gemerkt, dass alle diese „schönen“ Frauen einander äußerlich sehr ähnlich sind?

Wir haben also doch fast alle dasselbe Bild im Kopf, wenn wir an „Schönheit“ denken. Dass dieses Bild größtenteils anerzogen und erlernt ist, spricht von der Sozialisierung unserer Gesellschaft diesbezüglich. In diese Richtung möchte ich meinen heutigen Bericht aber nicht lenken, weil es einfach den Rahmen sprengen würde.

Mein Verhalten in Bezug auf Schönheit ist übrigens genauso.

Schon seit ich denken kann, versuche ich mein äußeres Erscheinungsbild dem jeweils aktuellen Schönheitsideal, so nahe wie nur möglich zu bringen. Meistens tatsächlich eher unbewusst, als bewusst. Und das nicht nur bezogen auf Mode.

Für mich ist es Alltag geworden, jeden Morgen eine halbe Stunde früher aufzustehen…

Um mir Make-up ins Gesicht zu klatschen, meine Nase optisch kleiner zu konturieren und meine Lippen größer zu schminken.

An Tipps, wie man sich „schöner“ schminken kann, mangelt es im Internet definitiv nicht.

Schönheit = Erfolg.

Aber warum sollten wir uns auch vorwerfen, schön sein zu wollen? Wir sind in einer Gesellschaft aufgewachsen, in der Schönheit sehr stark mit Erfolg in Verbindung gebracht wird. Wir wissen alle, wer „schön“ ist, hat bessere Aufstiegschancen im Beruf und wird zusätzlich mit sozialer Anerkennung belohnt.

Auch bezogen auf den Feminismus, ist es ein Vorurteil zu glauben, dass Feministinnen diesen „Schönheitswahn“ nicht mitmachen. Klar, bestimmt nicht alle. Aber viele. Vor allem junge, moderne Frauen, die eben in die Zeit der „Schönheit“ hinein geboren wurden. Wir kennen es nun mal nicht anders. Deshalb sollte man eine „geschminkte“ Frau nicht direkt als Anti-Feministin bezeichnen.

Im Endeffekt müssen wir alle für uns selbst entscheiden, wie weit wir in Sachen „Schönheit“ gesellschaftlich mitziehen wollen.

Dementsprechend müssen wir aber auch mit den Konsequenzen leben, die ein Entzug aus dieser Schönheit mit sich bringen könnte.

Mein Fazit

Abschließend möchte ich euch dazu animieren euch vielleicht in Zukunft etwas mehr mit der Frage zu beschäftigen, was Schönheit für euch persönlich darstellt. Und wie weit ihr für diese gesellschaftliche Schönheit gehen würdet. Allen voran die Frage, ob es nicht wichtigere Dinge im Leben gibt, als sich nur auf sein Äußeres zu reduzieren.

Genau dies ist aber meistens ein Prozess, welcher nicht von heute auf morgen vollzogen werden kann. Da spreche ich aus Erfahrung, denn ich versuche mich jeden Tag etwas mehr von dem Gedanken an „Schönheit“ zu lösen. Und es ist mit Sicherheit noch ein langer Weg, bis ich die Vorurteile in meinem Kopf, was schön ist, komplett abgelegt habe.

 

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