Bewusstsein

PERFEKT UNPERFEKT

Ein Kapitel aus meinem Leben…

Es mag komisch klingen, dass gerade ich einen Beitrag mit der Überschrift „Perfekt Unperfekt“ schreibe. Da ich schon öfter zugegeben habe, eine teilweise sogar manische Perfektionistin zu sein.

Nichts desto trotz versuche ich mich einem ständigen Wandel hinzugeben. In andere Verhaltensweisen einzutauchen und mich persönlich weiter zu entwickeln. Denn Veränderung und Neues ist für mich das, was das Leben so lebenswert macht. Doch gerade mit Veränderungen habe ich sehr stark zu kämpfen. Vor allem weil ich mir sicher bin, dass mein Hang zur Perfektion nicht nur antrainiert ist, sondern mir teilweise im Blut liegt.

Schon immer habe ich Menschen bewundert, die mit einer scheinbar selbstverständlichen Leichtigkeit an Sachen heran gehen. Ganz im Gegensatz zu mir, die wirklich jede Kleinigkeit in tausend Teile zerlegt und nachts stundelang wach liegt, um unnötigen, niemals enden wollenden Gedankengängen zu folgen. Ich bin dieser Mensch, der sich am Abend vorher schon die Klamotten für den nächsten Morgen heraus legt, weil ich sonst morgens total überfordert wäre… Und auch in meiner Arbeit als Grafik-Designerin muss alles bis ins letzte Detail perfekt sein, bevor ich wieder ruhig schlafen kann.

Ich weiß, dass dieser ganze Perfektionswahn weder gut für mich ist, noch für mein Umfeld. Denn wenn irgendwas einmal nicht so läuft, wie ich es geplant habe, sollte man sich lieber nicht in meiner Nähe befinden. Und obwohl ich das alles schon lange weiß, und die Bezeichnung „Perfektionistin“ für mich mittlerweile mehr zur Beleidigung geworden ist, als ein Kompliment, kann ich sie einfach nicht ablegen.

In diesem Blog, den ich nun mittlerweile fast ein Jahr führe, versuche ich mit meinen Beiträgen andere Menschen zu unterstützen. Meine Ratschläge und Tipps beruhen zumeist auf meiner eigenen Erfahrung. Das heißt aber leider nicht, dass ich dieselben Fehler nicht selbst immer und immer wieder mache. Ich denke, es ist das Eine, anderen Personen Ratschläge zu erteilen, aber wiederum etwas ganz anderes, Diese selbst vorzuleben. Alleine aus diesem Grund kann ich von mir behaupten, dass ich gar nicht so perfekt sein kann.

Denn was ist schon Perfektion?

Google sagt: Perfektion sei „Vollkommenheit, Fehlerlosigkeit“ – Eigentlich doch zunächst einmal sehr positive Eigenschaften, oder?

Wenn ich darüber nachdenke hat Perfektion für mich persönlich mittlerweile mehr negative Eigenschaften, als Positive. Ich assoziiere Perfektion mit Wörtern wie „steif“, „streng“, „langweilig“ und sogar „unkreativ“… Letzteres bedeutet übrigens den Tod in meiner Branche 🙂 Denn wenn ich als Grafik-Designer unkreativ werde, ist alles aus.

Vor allem muss ich zugeben, dass mir Menschen, die angeblich „perfekt“ sind, auch nicht wirklich sympathisch sind. Ich denke da nur an die perfekten Übermuttis, die bei jedem Elternabend ganz vorne mitspielen. Bei jedem Fest im Kindergarten oder in der Schule einen selbstgemachten Kuchen mitbringen und dabei auch noch stets gut aussehen… Die Kinder solcher Mütter haben meist nach dem Kindergarten ein straffes Zeitprogramm mit Aktivitäten, dessen Existenz mir noch nicht einmal bewusst war. Ich hingegen bin eher der Typ Mama, der sein Kind in Jogginghose in den Kita bringt und sich vor oben genannten Veranstaltungen drückt. Dabei will ich natürlich niemanden zu nahe treten, denn auch solche Muttis sollte es geben. Alleine zum Wohl unserer Kindergärten und Schulen 😉 Und zugegebener Maßen wollte ich früher selbst einmal solch eine Übermutti sein… da ich aber mit anderen Dingen, wie Kind, Studium, Arbeit und Haushalt schon genug zu tun hatte, hat sich dieser Drang dann ganz von alleine wieder erledigt.

Aber warum kann sich nicht alles immer von alleine erledigen? Ohne danach ein schlechtes Gewissen zu haben, oder doch wieder in alte Verhaltensmuster zu verfallen?

Dabei ist der Reiz da, perfekt unperfekt zu sein. Sich nicht damit auseinander zu setzen, es allen immer recht machen zu müssen. Nicht nächtelang wachliegen, um Ideen zu entwickeln, die man am nächsten Morgen sowieso wieder vergessen hat. Einfach unvollkommen zu sein und dazu zu stehen.

Ich könnte jetzt wieder anfangen Bücher zu diesem Thema zu lesen, oder das World Wide Web nach diesen Fragen zu durchsuchen. Aber wenn ich mal ehrlich bin, bringt es mir alles nichts, bevor ich nicht wirklich dazu bereit bin etwas an mir zu ändern. Und dazu muss ich aufhören mein Umfeld dafür verantwortlich zu machen, wie es mir geht. Denn keiner ist schuld daran, dass ich einen fast schon peniblen Ordentlichkeitstick habe, und innerlich nach Perfektion strebe, die ich sowieso niemals erreichen werde. Und wenn doch, bin ich dann glücklicher? Wohl kaum… Das habe ich mir ja schon einige Male selbst bewiesen.

Es ist immer der einfachste Weg zu versuchen alles Andere und alle anderen zu ändern und eines Besseren zu belehren. Jedoch bringt uns das selbst keinen Schritt weiter. Irgendwann ist es auch einfach mal gut. Ich muss nicht allen Menschen da draußen gefallen. Meine Lebenseinstellung müssen nicht alle teilen. Meine Arbeit müssen nicht alle mögen. Und meine Kindererziehung geht schon gar niemanden etwas an. Ich bin wie ich bin, und entweder ihr akzeptiert das, oder eben nicht. Mir egal. Ich bin perfekt unperfekt.

In diesem Sinne, denkt darüber nach, ob es all die Mühe wert ist, Tag ein Tag aus perfekt zu sein, bzw. es sich selbst und seinem Umfeld vorzuspielen 😉

 

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