Bewusstsein Feminismus Gastbeiträge

MAN(N) SPRICHT DARÜBER

Bei meinem letzten Beitrag hat eine Leserin die Frage gestellt, wie es eigentlich ist, als Mann einer Powerfrau gegenüber zu stehen. Diese Frage hat mich in letzter Zeit einfach nicht locker gelassen und ich habe mir intensiver darüber Gedanken gemacht.

Grundsätzlich vertrete ich hier natürlich meine eigene Meinung und es ist gut möglich, dass viele Männer etwas anders über die Sache denken. Allerdings trifft wohl meine Erfahrung auf viele meiner Geschlechtsgenossen zu. Im Allgemeinen ist bei Männern bekannterweise das Dominanzverhalt größer ausgeprägt. Dies wirkt sich natürlich auch auf unser Wettbewerbsdenken aus.

Wir möchten also immer ein bisschen besser als der Andere sein und daher orientieren wir uns gerne an unserer „Konkurrenz“.

Interessant ist eben, dass wir früher häufig andere Männer als die größten Konkurrenten angesehen haben.

Doch immer häufiger tritt ein neuer „Gegner“ auf – Frauen.

Ich habe natürlich bewusst jetzt einige Wörter in Anführungsstriche gesetzt, da wir uns sicherlich nicht in einer Arena auf Leben und Tod befinden. Allerdings gibt es eben nicht selten Themen, auch im Alltag, bei denen diese Begriffe tatsächlich keine Übertreibungen darstellen. Auf der Jobsuche wird es zunehmend immer schwieriger, sich gegen die weibliche Konkurrenz durchzusetzen. Frauen führen in sämtlichen Statistiken Spitzenpositionen an: Bildung, Lebenserwartung, Intelligenz, Gesundheit usw.

Sprechen wir hier also von einer Konkurrenz, der Männer nicht mehr gewachsen ist und die außerhalb unserer Liga spielt? Zugegebenermaßen klingt das alles nach einem Kampf – eben einem Rennen auf Leben und Tod. Dem ist natürlich nicht so. Um viele Männer allerdings zu verstehen, muss man deren Konkurrenzdenken eben akzeptieren und eben auch respektieren. Nicht selten werden sogar in der heutigen Zeit noch Frauen nicht als ebenwürdig angesehen. Doch nun kommt eben das, was häufig auch unter „future female force“ verstanden wird und Frauen performen in vielen Dingen weit über der Leistung der Männer. Für Viele ist dies natürlich schwer zu verdauen.

Wird Frauenpower von „Frauenpower“ ausgebremst?

Nachdem ich über diese ganze Thematik nachgedacht hatte, hatte ich mich vermehrt gewundert, warum Frauen nicht schon viel weiter sind, als sie es jetzt schon sind, obwohl sie die Power dazu hätten. Warum wird Frauen immer noch nicht so viel zugetraut, trotz ihrer häufig überlegeneren Leistung? Das habe ich mich immer wieder und immer wieder gefragt.

Wochen sind ins Land gestrichen und nach und nach wurde es mir klar: So lange jeder Erfolg (egal wie herausragend er ist) einer Frau in den höchsten Tönen hochgebjubelt und publiziert wird, desto länger wird es dauern, bis die Power der Frau in den Köpfen des Alltags angelangt ist.

Wird beispielsweise Frau xy erstmals Vorstandsvorsitzende von Konzern yz, dann berichten am nächsten Tag gleich die Zeitungen von dieser denkwürdigen Leistung einer Frau. In meinem Kopf spielt sich dann immer folgender Gedanke ab: „wow, das scheint eine enorm ungewöhnliche Leistung einer Frau zu sein. Sie schein ein Einzelstück der weiblichen Bevölkerung zu sein“ – zugegebenermaßen überspitzt formuliert.

Frauenpower in den Alltag integrieren – und zwar als Selbstverständlichkeit

Wir sollten anfangen die Power der Frauen als etwas anzusehen, dass in der Natur dieses Geschlechts liegt und nicht in der Außergewöhnlichkeit einzelner von ihnen. Denn während simple, nackte Statistiken schon längst wiederspiegeln, was Frauen in der Lage sind zu leisten, brauchen unsere Köpfe wohl noch einige Zeit der Anpassung. Interessanterweise gehören zu dieser Gruppe auch viele Frauen selbst. Gleichzeitig sollten sich Männer von dem Gedanken verabschieden überall ständig zu den Besten zu gehören, denn es gibt neue Spielerinnen, in denen wir wohl häufig nur noch im Rückspiegel zu sehen sind.

Was sagt ihr dazu? Teil ihr meine Meinung oder seht ihr das Thema mit ganz anderen Augen? Ich bin gespannt auf eure Meinungen.

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